Soul‘s of N.3verland soll eine Omage an alle Betroffenen psychischer Erkrankungen sein. Sowohl an selber Betroffene als auch Angehörige von Betroffenen. Aus Respekt gegenüber denen, welche in diesem Moment kämpfen und für all diejenigen, deren Stimme nicht mehr erhört werden kann. Leider hat das Thema auch im Jahr 2026 längst nicht die öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung, welches diese komplexe Thematik bedarf. Das Stigma in dem Zusammenhang, fehlende Ernsthaftigkeit und Verharmlosung der Gefahren, mangelnde Präventionsmaßnahmen, fehlende Therapieplätze ambulant als auch stationär, nötige Sensibilisierung im Umgang gegenüber psychisch Erkrankter, als auch tägliche Diskriminierung der Gesellschaft und am Arbeitsplatz bedarf noch viel Veränderung für eine dringliche Entlastung der Betroffenen und Unterstützung Angehöriger. Jeder kann ganz einfach einen Teil für eine Veränderung dazu beitragen. Sei es nicht wegzusehen, seine Mitmenschen wahrzunehmen oder darüber zu sprechen wie man sich fühlt. Auch viele Kleinigkeiten im Alltag können in der Summe große Veränderungen mit sich bringen. Genau hier fängt es an. Denk mal drüber nach.

Psychische Erkrankungen können jeden treffen! Egal aus welcher Schicht der Gesellschaft, welchem Kontostand, Status oder Ruhm. Alter und Auslöser mögen unterschiedlich sein, dennoch ist niemand sicher, eines Tages selbst daran zu erkranken. Selbst Betroffene, sei es von einer oder direkt mehrerer psychischer Erkrankungen, sind einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Wo eine körperlich-physische Einschränkung, wie eine Verletzung in Form eines gebrochenen Knochens sichtbar ist, sieht man es den Betroffenen psychischer Verletzungen oft nicht an. Oft kommen Betroffene einer psychischen Erkrankung an den Punkt, wo die Glaubwürdigkeit angezweifelt wird: „Du simulierst doch nur und hast doch gar nichts“. Auch ein trauriger und absolut diskriminierender Klassiker, den sich Essgestörte zu Genüge anhören müssen: „Iss doch einfach mehr oder iss doch einfach weniger.“ Davon muss die Gesellschaft sich klar distanzieren, denn es gibt nicht den Klischee-Kranken. Auch wenn jemand offensichtlich immer gut gelaunt und nach außen stark wirkt, heißt es nicht, dass die Person selber nicht gerade mit schweren Symptomen einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hat, vielleicht sogar gerade innerlich an einer Klippe steht.

Die Suizidrate ist viel zu hoch und lässt sich aufgrund hoher Dunkelziffern nur schwer auf eine Zahl festlegen. Am Ende ist jeder Suizid einer zu viel. Jeder Einzelne hat seine Geschichte. Jeder Einzelne hat jemanden, der ihm wichtig ist, jeder Einzelne ist jemandem wichtig. Oftmals versagt das System in Form von nicht rechtzeitig Hilfe zu leisten. Wir sind ebenso Welten entfernt von einer humanen Sterbehilfe. Dies hat zur Folge, dass in akuten, schweren Krankheitsphasen die Erkrankten sich auf grausamste Weise das Leben nehmen. Niemand hat es verdient, zu leiden. Jemand, der keinen anderen Ausweg als einen Suizid sehen konnte, ist nicht feige und ist kein Verlierer. Dazu gehört vor allem eine riesengroße Portion Mut und die Tatsache, einem unerträglichen Schmerz oder Druck nicht mehr standhalten zu können. So etwas geschieht aus tiefster Verzweiflung, oftmals eine Kurzschlussreaktion, was zu verhindern wäre, wenn die richtige Hilfe zum richtigen Zeitpunkt da gewesen wäre.

Hier schließt sich der Kreis. Soul‘s of N.3verland soll auf den Seiltanz zwischen zweier Welten während einer inneren Krise aufmerksam machen, bei welchem es oftmals um nichts Geringeres geht als um Leben und Tod. Schon als Kind ist mir aus dem Film Hook, in dem niemand Geringerer als der berühmte Schauspieler Robin Williams die Rolle des Peter Pans gespielt hat, der selber unter schweren psychischen Erkrankungen litt und am Schluss durch Suizid starb, Folgendes im Gedächtnis geblieben. Mir blieb aus dem Film der Begriff und die damit verbundene Fantasie von Nimmerland, wie diese Sicht durch die Brille eines Kindes in Kombination mit dieser riesigen Krokodilsuhr im Gedächtnis. Hiervon abgeleitet, passend zum Kontext: Seele des Niemandslandes oder Seele des Für-immer-Landes. Schwarz oder Weiß, für oder gegen das Leben. Einem inneren Konflikt, dem Betroffene auch dann ausgesetzt sein können, wenn sie dir freundlich lächelnd einen schönen Tag wünschen. Das Logo steht für „Flagge zeigen.“ Von uns für uns. Bereits schmerzhaft Vermisste hinterlassen nicht nur eine klaffende Lücke, sondern verändern das weitere Leben aller Hinterbliebenen.

Reminder von mir an mich, an dich, an euch. Solltest du – genau du! – wo du gerade das hier gelesen hast, selber am Strugglen sein, möchte ich dir bitte etwas mitgeben. Ich fühle mit dir und kenne diese Machtlosigkeit. Ich kenne diese Hoffnungslosigkeit. Ich kenne diese Leere und extrem belastenden Gefühle der Selbstabwertung. Ich kenne den Wunsch, dass diese ganze Scheiße und diese ganzen Gefühle endlich aufhören und alles endlich vorbei ist. Diesem Druck dieser inneren Stimme, das verlockende Angebot anzunehmen und einfach allem zu entfliehen. Einfach einen Schlussstrich unter das Leben setzen, und alles ist vorbei. Du kannst dir bewusst sein: Alles ist leichter gesagt als getan. Theorie und Praxis unterscheiden sich komplett. Gefühlt nichts kommt an dich heran, weil du es selber nicht siehst. Dennoch sage ich dir: Du bist wichtig, jemand liebt dich und würde bitterlich nachtrauern, wenn er dich nicht mehr hätte. Damit würdest du den Leuten, die dich am Boden sehen möchten und denen es völlig egal wäre, ob du dir das Leben nimmst oder nicht, nur in die Karten spielen und einen Gefallen tun. Damit würdest du die Leute, die dir Schlechtes wollen, über jeden Einzelnen stellen, dem du etwas bedeutest. All die jenigen, die dich lieben, genau wie du bist, mit allen Ecken und Kanten, würdest du damit gegenüber den Leuten unterordnen, die dir schaden wollen. Kämpf! Hol dir Hilfe! Sprich mit jemandem, dem du vertraust. Schmerz muss nicht ausgehalten werden, es gibt dafür Medikamente, die diese Zeit überbrücken. Sprich über deine Gefühle. Kämpf um dein Leben. Tu es für dich. Tue es für jeden, den du nicht in tiefer Trauer wegen deines Verlustes leiden sehen möchtest. Bitte gib nicht auf. Der erste Schritt ist der Schwerste, aber DU BIST GUT GENUG.

Bitte nicht falsch verstehen. Es geht hier nicht um einen Wettbewerb, wem es schlechter geht. Egal, wie unterschiedlich die Diagnosen sein mögen, wir sitzen alle im selben Boot. Keiner ist besser als der Andere oder mehr wert, sondern wir stehen alle auf demselben Boden auf dieser Erde. Lasst uns zusammenhalten und uns gemeinsam dem Kampf stellen. Für ein besseres Leben. Gegen das Leiden unserer Liebsten. Ich verspreche dir, du hast die selben Chancen, wie ich sie hatte und immer wieder habe. Wir können nur etwas verändern, wenn wir zusammenhalten und gemeinsam durch diese Scheiße gehen.

Flieg auf die Fresse, scheitere – immer und immer wieder –, aber gib bitte niemals auf. Das willst du vielleicht jetzt nicht hören, aber es geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Gib dir Zeit, denn mit ständigem Sich-selbst-unter-Druck-setzen hilfst du dir nicht. Sei es dir selbst wert. Alles kann, nichts muss.

Therapie ist hart, Klinik ist härter. Ich spreche da aus eigener Erfahrung: knapp zehn Jahre Verhaltenstherapie wöchentlich und insgesamt 1,5 Jahre stationäre Akutklinikaufenthalte. Zeit in der ich nicht bei meiner Familie sein konnte. Zeit die ich niemals zurückbekommen werde. Ist das eine Schwäche? Nein. Musst du nicht langsam mal geheilt sein? Schön wäre es, aber auch nein.

Es war jahrelange Arbeit, dahin zu kommen, wo ich heute bin. Es reicht mir, dass ich es für mich selbst weiß. Es wird immer Themen geben, die bearbeitet werden müssen, und man hat auch nie ausgelernt. Das ging nicht von heute auf morgen, und dafür musste ich stark aufräumen.

Die ständige Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit unter gesellschaftlichen Erwartungen – beispielsweise etwas vorzugeben, was man nicht ist, nur weil es von einem erwartet wird. Eine Maske aufrechtzuerhalten, um sich selbst zu schützen, ist für Betroffene unglaublich anstrengend, oftmals aber die einzige Überlebensstrategie. Die Scham, bloß nicht aufzufliegen oder als schwach abgestempelt zu werden, sorgt zusätzlich für einen inneren Konflikt im eigenen Wertesystem. Der Leistungsdruck im Bildungssystem kommt noch on top.

Für viele von uns wird es vielleicht keine vollständige Heilung geben, weil eine oder mehrere Krankheiten uns ein Leben lang begleiten werden. Ich kämpfe selbst jeden Tag aufs Neue, mich nicht unterkriegen zu lassen. Jeder Tag ist neu, und die Tagesform bestimmt den Verlauf. Wie eine ständige Achterbahn der Gefühle.

Vieles im Alltag kann frustrieren – selbst für Nichtbetroffene. Für Betroffene ist es jedoch noch einmal ein anderes Level, das bewältigt werden muss. Jeder hat das Recht, seine Bedürfnisse zu äußern. Jeder hat das Recht, Hilfe einzufordern.

Unsere Sanduhr in der Brust läuft jede Sekunde. Für jeden von uns – ob krank oder gesund. Jeder Mensch, mit oder ohne Diagnose, ist völlig individuell. Hier hilft kein Backrezept für die Masse, sondern ein Rezept mit genau den passenden Zutaten für diese eine Person.

Es liegt an dir, wie deine Zukunft wird – genauso, wie ich meine Zukunft selbst in der Hand habe. Jeder von uns hat sein eigenes Tempo, und hier gibt es kein „zu lange brauchen“. Noch ist alles möglich.

Bitte lasst uns zusammenhalten. Nur so können weitere Leben gerettet werden. Denn die Sanduhr lässt sich nicht zurückdrehen, wenn sie einmal abgelaufen ist.

Diese Zeilen wurden aus meinem eigenen Gedankengut verfasst und selber geschrieben.